Die Finanzkrise – sie ist auch eine Vertrauenskrise, die unter anderem die Anlageentscheidungen von Bankkunden stark beeinflusst. Diese sind anspruchsvoller geworden, sind besser informiert als noch vor einigen Jahren und signalisieren immer häufiger eine erhöhte Wechselbereitschaft. Kundenberater und andere Finanzdienstleister stellt das vor große Herausforderungen. Diese Entwicklung hat Prof. Dr. Klaus Fleischer, der an der Hochschule München Bank-, Finanz- und Risikomanagement lehrt, zum Anlass genommen, den Sammelband „Trends im Private Banking“ herauszugeben. Die 27 Autoren, die in führenden Positionen in Banken, Beratungsgesellschaften oder der Wissenschaft tätig sind, stellen die wichtigsten Trends im Private Banking vor: Welche Produkte sind „in“, für welchen Kunden kommen sie in Frage? Wie wirkt sich die alternde und schrumpfende Gesellschaft auf Finanzunternehmen aus? Wie lässt sich zum Beispiel Online-Banking seniorengerecht gestalten?

In einem Beitrag beschäftigt sich Andreas Heibrock, Mitglied der Geschäftsleitung der Real I.S., mit dem Geschlossenen Fonds als wichtigem Baustein für die sinnvolle Asset Allocation. Direktinvestments, beispielsweise in Wohnungen zur Kapitalanlage, sieht er kritisch. Gründe seien unter anderem mangelnde Marktkenntnisse vieler Käufer sowie Klumpenrisiken, da die Anleger nicht selten ihr gesamtes Vermögen in eine einzelne Wohnung investierten. Besser gestreut sei ein Vermögen seiner Meinung nach durch Investitionen in mehrere geschlossene Immobilienfonds beziehungsweise in solche Produkte, die bereits durch ihre Objektauswahl für eine Diversifizierung sorgten. So sei beispielsweise bei Shoppingcentern das Mietausfallrisiko durch 100 bis 200 unterschiedliche Mieter deutlich reduziert. Heibrock beschränkt sich in seiner Betrachtung nicht nur auf die Eurozone. Er begründet auch einleuchtend, warum Investitionen in Großbritannien oder Australien lohnend sein können. Voraussetzung dafür: Der Anbieter müsse sich in diesen Regionen auskennen und über einen entsprechenden Marktzugang verfügen. Der Beitrag zeigt insbesondere die Vorteile auf, die Anleger von einer Beteiligung an einem geschlossenen Fonds haben können. Unerwähnt sollte jedoch nicht bleiben, dass der Investitionserfolg mit der Auswahl des richtigen Anbieters steht und fällt. Viele Privatanleger haben in der Vergangenheit auch negative Erfahrungen machen müssen.

Insgesamt sei der Sammelband all jenen empfohlen, die sich für die aktuellen Trends im Private Banking interessieren. Auch diejenigen, die bereits in diesem Bereich aktiv sind, werden neue Erkenntnisse aus der Lektüre ziehen. Auf den einen oder anderen mögen die knapp 450 Seiten zwar zunächst abschreckend wirken. Die Gliederung in Kapitel überschaubarer Länge in verständlicher Sprache dürfte etwaige Berührungsängste jedoch bald verfliegen lassen.